EUROPAS IDENTITÄTEN besitzen eine gewaltige Spannbreite:

von den modernen Grasdächern in den Skidörfern der Telemark (N) über die letzten Liven in ihrer Sonntagskluft (LV), die estnischen Bräute auf dem Weg in den 7. Himmel (EE), die Jugendstil-Metropole von Alesund (N), die radfahrenden Stadtstreicher in Turku (Fin), über die Flensburger Identität an sich (D) bis zur deutsch-polnischen Gemeinsamkeit der mittelalterlichen Marienburg (Pol).

Europäische Politik muß diese Vielfalt erhalten!

 

           BERLIN könnte eine buntere Zeit mit klarer Ansage einläuten .....

weil zwar die AfD immer noch keine ernstzunehmende Alternative (zu was genau?) bietet, weil aber die SPD vielleicht doch den Weg aus einer neoliberalen Wirtschaftspolitik schafft, die bisher noch unerträglicher daher kam als die der Merkel´schen CDU - weil weder sozial noch demokratisch. Das kann unter Martin Schulz nur besser werden, wenn er der Partei wieder das Ziel zurückgeben kann, weshalb sie gegründet wurde: eine solidarischere Gesellschaft, die nach demokratischen Spielregeln funktioniert. Genügend Negativ-Erfahrungen und damit "lessons learnt" bringt Martin Schulz ja aus Brüssel mit und seine Erfahrung, daß man sich gegen Potentaten, wie Berlusconi und Erdogan behaupten muß, wenn aus diesem Europa noch etwas werden soll.

Mit diesem Un-Präsidenten Trump wird es jetzt auch der SPD hoffentlich leichter fallen, sich gegen CETA und gegen TTIP gedanklich zu wehren, den Grundansatz dieser nur Kapital-orientierten Denke auch als Partei abzulehnen - nicht nur die diversen SPD-Bürgermeister und Intellektuellen. Wenn nicht, wird die Bürgerbewegung in diesem Land immer massiver "solidarische Wirtschaft" und "solidarische Landwirtschaft" und "zukunftsfähigen Lebensstil" der sog. „freie Marktwirtschaft“ entgegen setzen und sie wird gerade die SPD vor sich hertreiben bis die Brandt-Enkel begreifen, daß die Merkel´sche Flüchtlingspolitik noch andere Dimensionen besitzt als "nur" die emotionsbeladenen menschlichen Schicksale. Die sind extrem schlimm, ohne Frage. Aber das Thema lenkt vor allem ab von den tief wurzelnden Problemen der deutschen Gesellschaft: Bildungsniveau im europäischen Keller; Altersarmut und Prekarisierung; Gentrifizierung durch Wohnungsheuschrecken; ungesteuerte Gier von Konzernchefs und Oligarchie einer bestens vernetzten Industrie-Lobby in Berlin wie in Brüssel.

Berlin, 17.9.2016 – in Erinnerung an Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“

Wer konnte denn auch einem SPD-Vizekanzler und Wirtschaftsminister glauben, der sich den Beifall der privaten, wachstumsverblendeten Wirtschaft für seine CETA-Nachjustierung der allerletzten Minute abholt, aber offenbar noch nie etwas von solidarischer Ökonomie oder gar von De-Growth als einzig zukunftsfähigem Umgang mit den begrenzten Rohstoffen dieser Erde gehört hat. 

alles, nur keine Chaoten - weder in Berlin noch in Köln oder München oder Hannover ......

Der Beobachter fragt sich: ist unsere Demokratie auf den Hund gekommen??  oder holt sich die bürgerliche Gesellschaft ihre politische Souveränität zurück??!

Es sind ganz bestimmt nicht nur Neo-Nazis und ewig gestrige Nationale, die die vielen offen gebliebenen sozialen Fragen stellen. Natürlich hätte gerade auch eine SPD schnell und konkret nach den Ursachen des Flüchtlings-Tsunami fragen müssen, um die Kriegsursachen in afrikanischen Ländern (z.B. die EU-Agrarpolitik zulasten Afrikas) oder die Machtkämpfe der Warlords und Drogenkönige in Afghanistan einzudämmen und den Menschen ihre eigentliche Heimat zu erhalten. Aber der Wirtschaftsminister wollte seinen Beitrag zur deutschen Exportbilanz nicht schmälern. Und entsprechend  stiegen die Waffenexporte Deutschlands 2015 durch Sondereffekte außergewöhnlich stark, auf einen Höchstwert seit einem Jahrzehnt, wie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Ende vergangener Woche einräumen musste.“ (Die Welt, 22.2.2016). Und dann gab der Wirtschaftsminister an seinem letzten Arbeitstag (31.1.2017) noch mal grünes Licht für zwei Patrouillenboote an die Saudis. Es ging immer auch um Öl - und wenn es das Öl ist, daß man ins Feuer gießt ......

Willy Brandt hatte den Friedensnobelpreis 1971 auch dafür erhalten, was er in seiner Dankesrede als Maxime seiner Politik benannte: Der Krieg darf kein Mittel der Politik sein. Es geht darum, Kriege abzuschaffen, nicht nur, sie zu begrenzen. Kein nationales Interesse läßt sich heute noch von der Gesamt­verantwortung für den Frieden trennen. Jede Außenpolitik muß dieser Einsicht dienen. Als Mittel einer europäischen und weltweiten Sicherheitspolitik hat sie Spannungen abzubauen und die Kommunikation über die Grenzen hinweg zu fördern.“

im Hintergrund:  Solidarische Ökonomie                    statt Selbstzerstörung  ......

Inzwischen vergrößert das schwindende Demokratieverständnis der politischen Eliten das Risiko gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen dem dumpfen Neofaschismus von Spanien und Frankreich über Deutschland bis Finnland einerseits und den Bürgern, die sich "nur" gegen den vorherrschenden Casino-Kapitalismus und die extremen "Drehtür-Beispiele" wehren wollen, andererseits. Wo ist im Übrigen der Unterschied zwischen "Drehtür" und Käuflichkeit bei einem Barroso, der von der EU-Kommission zur Skandalbank Goldman-Sachs wechselt oder einem EZB-Präsidenten, der von Goldman-Sachs kommt und die Euro-Politik zugunsten der Großbanken manipuliert??

Hinter der unmittelbaren Ablehnung von TTIP und CETA und TISA bewegen die demonstrierenden Bürger allerdings auch schon jetzt kaum faßbare Beispiele von Konzernmacht, wenn Bayer mit Monsanto fusioniert und damit auch die letzten Chancen einer naturnahen Landwirtschaft beseitigt werden oder wenn der größte Autokonzern Europas seine Kunden ungestraft systematisch täuschen darf und deren Gesundheit und die natürliche Umwelt außerordentlich belasten darf oder wenn zehntausende kommunale Wohnungen en bloc an Immobilien-Spekulanten verkauft werden und so die Spaltung der Gesellschaft weiter beschleunigen.

Allerdings - und das als dünner Silberstreif am politischen Horizont - gibt es inzwischen in Europa viele Hunderte, in Deutschland viele Dutzende funktionierender Projekte einer veränderten Lebensführung, die sich erfolgreich gegen die industrielle Verfremdung aller Nahrungsmittel (bis hin zur Babynahrung) wendet. 

.....  und VERÄNDERTER LEBENSSTIL                DRINGEND WIE NIE

 

Das Dorf in die Stadt holen, damit die beschleunigte Urbanisierung nicht menschenfeindlich wird; "urban gardening" zur Selbstversorgung der kurzen Wege in der Stadt ausbauen; CO2-arme Energie auf den Dächern aller öffentlichen Gebäude zur gesetzlichen Pflicht machen, damit wirklich "Energiewende" stattfindet und von Wasserstoff-getriebenen Zügen und Autos nicht nur visionär reden - das alles gehört zu einem zukunftsfähigen Lebensstil. Es gibt auch in unserem Land für das alles funktionierende Beispiele: die Bioenergie-Dörfer a la Jühnde; die solidarische Ökonomie im niedersächsischen Heckenbeck, die dem Dorf Bevölkerungswachstum beschert; die Brennstoffzellen-Busse und -Taxis in Hamburg; oder "urban gardening" in mustergültiger Form, wie in Andernach am Rhein.

 

Andernach, die essbare Stadt  - inzwischen in aller Munde
Vor der alten Burgmauer mitten im Stadtzentrum ernten Bürger Gemüse aus dem Burggraben, das zu Hause top-frisch auf den Tisch kommt: Zwiebel, Salat, Kohlrabi …
Noch bis 2010 mühte sich die Stadtverwaltung, die Rasenflächen rund um das alte Gemäuer in Schuß zu halten und mit Blumenrabatten optisch aufzulockern. Seither ist die Stadt und ihr Burg-Areal Vorzeigeprojekt für „urban gardening“ geworden. Die Stadtverwaltung erläutert jedem interessierten Besucher, daß es sich bei Andernach um eine essbare Stadt handele und weist stolz auf die Auszeichnung mit der Goldmedaille beim bundesweiten Wettbewerb "Entente Florale". Prämiert wurde damit die neue Funktion der städtischen Grünflächen, die aktive Einbindung der Bürger, für die es nicht heißt „Rasen betreten verboten“, sondern „Gartenanlagen nutzen erwünscht“. Das Gartenbauamt stellt das Fachpersonal und wird unterstützt von Freiwilligen, von Langzeitarbeitslosen und 1-Euro-Jobbern, die sowohl in den neuen Gartenanlagen der Stadt als auch in dem großen Areal der Permakulturen außerhalb der Stadt für dasselbe Projektziel wirken: die Stadt selber zum Mittelpunkt einer neuen Lebensqualität zu machen. Denn es geht nicht nur um den neuen Blick der Bürger auf ihre Stadt, um die neue Be-Nutzung ihrer Grünanlagen; es geht zugleich um die Wiederentdeckung der Artenvielfalt an einheimischen Nutzpflanzen. Nicht zwei holländische Tomatensorten wurden sofort 2010 angebaut, sondern 300 verschiedene! Nicht zwei verschiedene Bohnensorten in 2011, sondern 100! Und zum buntstieligen Mangold sagte ein alte Dame im Vorübergehen: beinahe schöner als ein Rosenstrauch….
Die Frage nach den Kosten des Modellprojekts beantwortet der Stadtkämmerer außerordentlich entspannt: Für die Pflege dieser Beete braucht die Stadt nur noch ein Zehntel der früheren Kosten, 500 statt 5.000 Euro……...
"Für uns ist Stadtökologie ein ganz wesentliches Element für die Nachhaltigkeit in dieser Stadt", erklärt Lutz Kosack, der städtische Geoökologe. "Denn wenn wir wirklich einen Klimawandel bekommen und die demografische Entwicklung so bleibt, werden wir immer mehr ältere Leute haben und das Stadtklima wird schwieriger. Es wird wärmer, es wird drückender. Wenn wir jetzt konsequent Gehölze und Bäume pflanzen, werden wir in Zukunft ein gesundes Stadtklima haben und damit auch die Lebenswertigkeit dieser Stadt aufwerten."

 

Andernacher Bürger ernten im Burggraben ...

       und alter Lebensstil sollte erhalten               bleiben,  wo er in Wirklichkeit                             die Zukunft abbildet,                                wie teilweise im Baltikum

Trinkwasser von nicht-privatisierten Quellen, Lettland
Biokost im Bioambiente an der kurländischen Küste, Lettland

Das Baltikum grenzt an das große Agrarland Polen im Westen und an die zukunftsfähigen skandinavischen Staaten im Norden. In den Jahrzehnten der sowjetischen Okkupation hatten sich viele Bürger während der Mangelwirtschaft auf Selbstversorgung eingerichtet. Die Aufnahme in die EU hatten viele von ihnen - ähnlich wie damals manche DDR-Bürger - als Ankunft des Golden Zeitalters mißverstanden. Heute - nachdem auch hier die Gesellschaften immer stärker auseinanderfallen - erinnern sich immer mehr Balten an einen ertragreichen Umgang mit der Natur anstelle der Demütigungen durch spekulative "Märkte". Aus der Not heraus führt das auch zurück zur Beschaffung naturnaher Nahrungsmittel aus der Natur selbst - nicht von Bioketten, wie "denn´s" in Deutschland. Ein paar dieser Fotos aus dem Baltikum verdeutlichen dieses Verhalten. Die Fotos können auch so verstanden werden, daß sie zeigen, was im Kern wirklich zukunftsfähig ist.

Naturverträgliche Nahrungsbeschaffung (auch wenn sie "primitiv" erscheint) ist zugleich der Einstieg in die Vermeidung von unmäßigem Rohstoffverbrauch. Überzogener Rohstoff-verbrauch führt dabei nicht nur zu den 30% Wegwerf-lebensmitteln in den westeuropäischen Gesellschaften. Der Druck zum Wegwerfen/Entsorgen ist inzwischen das Brand-zeichen der "entwickelten" Gesellschaften und hat auch die ärmsten der EU-Staaten erreicht, wie die baltischen. Das gilt auch ganz besonders für die überzogene elektronische Ausstattung mit Smartphones und Tabletts; es gilt für die ziemlich sinnlose ständige Beschleunigung unserer Alltagsaktivitäten und für ständige Produkterneuerungen mit Hilfe ausufernder Niedriglohnsektoren weltweit. 

             EßBARES BALTIKUM                        mit seiner tradierten Lebensqualität             -  also eher Europas Zukunft ?

entschleunigter Lebensrhythmus ist sogar ohne smart-phone möglich, Latgale, Lettland

Wir in Westeuropa sehen solche baltischen Szenen, wie diesen latgalischen Bauern, häufig nur als folkloristische Idylle dort, wo noch kein Smartphone den Lebensrhythmus diktiert und wo sich der Bürger noch nicht täglich gegen Phishing-Attacken wehren muß.

Wir Westeuropäer sollten allerdings sehr schnell durch die Tourismus-Offerten hindurch schauen und die Möglichkeiten der guten, alten Lebensführung aktiv fördern und erhalten – also Widerstand organisieren gegen die aktuelle Agrar-Förderpolitik der Europäischen Kommission und gegen die massiven Landkäufe ("land grabbing") der großen Kapital-gesellschaften (Versicherungen und Hedge-Fonds), die sich nicht nur in Afrika auf „ungenutztes Land“ mit Millionen-investitionen stürzen, sondern längst auch in Brandenburg und Polen und Litauen unterwegs sind.  ……

Es muß um eine Gesellschaftsordnung nach menschlichem Maß gehen und dafür lautet das Schlüsselwort: nicht immer MEHR von allem, sondern so WENIG wie möglich an Energie-verbrauch, an Rohstoffen, an Korruption, an oligarchischer Wirtschaft, um letztlich Lebensqualität durch solidarische Ökonomie zu steigern.

bedarfsbewußte Flußfischer im Herbst, bei Koknese, Lettland
Birkensaft als Naturmedizin, selbst gezapft, in Selia, Lettland
Winterwanderung als Naturmedizin statt Grippeimpfung, Jägala-Fall, Estland
Ackerbau ohne chemische Insektizide oder Glyphosat, Estland

 

im Verzeichnis FOTOS finden sich aktuell solche aus:   

Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden, Norwegen, Chile, Peru, Kolumbien, Australien, Spanien, Zypern, Deutschland

 

 

im Verzeichnis PUBLIKATIONEN finden sich Auszüge und Volltexte, z.B.:

das Buch  Klondike Baltikum zur Problematik der Integration schwacher Staaten in eine profilschwache EU,

das Buch  Energy Efficiency in Housing,

das Buch  Was wollen wir eigentlich erreichen in der Nord-Süd Arbeit?,

und einige andere zu aktuellen Problemländern und zu zukunftsorientierten Fragen, die auf neue Antworten drängen ......